Tunesische und französische Ombudsleute nach ihrem Treffen bei Radio 3.

15.09.2016

Erich-Brost-Institut bildet Ombudsleute für Mediendialog aus

Zwischen Demokratie und IS-Terror: Herausforderungen für den Journalismus in Tunesien. Rückschau auf Workshop im September.

IS-Terror, religiöse Konflikte, Bürgerkrieg – die arabische Welt ist in Aufruhr. Während die Region von Libyen bis zum Irak unter extremen Spannungen und tödlichen Konflikten leidet, gilt Tunesien inzwischen als letzter Hoffnungsträger auf dem Weg zu einer demokratischen Entwicklung. Dies gilt auch für die Pressefreiheit: Im aktuellen Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ hat sich Tunesien seit dem Sturz des Diktators Ben Ali im Jahr 2011 kontinuierlich verbessert (Ranking 2016: Rang 96) und schneidet besser ab als beispielsweise das krisengeschüttelte Ägypten (Rang 159) oder die Türkei (Rang 151).

Hier setzt das vom Auswärtigen Amt geförderte Projekt „Ombudsleute in Tunesien“ des Erich-Brost-Instituts für internationalen Journalismus, TU Dortmund an. Das EBI unterstützt die tunesischen Ombudsleute seit 2014 in Kooperation mit Mena Media Monitoring und bietet unter anderem Fortbildungen und Netzwerkarbeit an. Dabei entstand auch ein Handbuch für Ombudsleute auf Arabisch. Ziel des EBI-Engagements ist es, die Medienselbstkontrolle in Tunesien zu stärken und damit einen Beitrag zur Sicherung der Pressefreiheit in der jungen Demokratie zu leisten.

Training in Dortmund und Paris

Im September 2016 begrüßte das Projektteam nun eine Gruppe von zehn tunesischen Ombudsleuten zu einem einwöchigen Workshop in Dortmund und Paris. In Dortmund reflektierten sie gemeinsam mit den erfahrenen französischen Ombudsleuten Jean-Pierre Constantin (Radio France International) und Nicolas Jacobs (France 2) sowie der marokkanischen Ombudsfrau Zouhour Himmich (SNRT) ihre Aufgaben und Rollen. „Ich bin begeistert von den Diskussionen. Die Teilnehmer haben bereits eine differenzierte Meinung zu Fragen journalistischer Ethik. Das ist Grundlage für die Arbeit als Ombudsman“, sagte Nicolas Jacobs. Die Tunesier sammelten und diskutierten gemeinsam mit ihren Kollegen Fallbeispiele und berichteten von bisweilen schwierigen Verhandlungen mit Publikum, Journalisten und Vorgesetzten. 

In Paris trafen sie während kurzer Hospitanzen in verschiedenen Hörfunk- und TV-Redaktionen wie France 2 und Radio France 24 weitere ihrer französischen Kollegen. Neben den Redaktionsbesuchen in kleinen Gruppen verfolgten die tunesischen Teilnehmer unter anderem auch die Vorbereitung und Aufzeichnung der monatlichen Sendung „Votre télé et vous“ der französischen Ombudsfrau Marie-Laure Augry (France 3). Das Konzept der Mediation hat in Frankreich eine lange Tradition, insgesamt gibt es 12 französische Ombudsleute in Presse, Rundfunk und Fernsehen. Dank zahlreicher gemeinsamer Themen, wie das Problem der Akzeptanz in den Redaktionen, entspannen sich schnell intensive Gespräche. 

Die nächsten Schritte in Tunesien

Die tunesischen Teilnehmer reisen nun mit sehr klaren Vorstellungen von ihren nächsten Schritten als Ombudsmänner zurück nach Tunis und in die südlichen Provinzen Tunesiens. Auf ihren to-do-Listen stehen unter anderem Diskussionen mit Kollegen und Publikum oder das Vorbereiten von Radio-Spots, um sich der Öffentlichkeit vorzustellen. Unterstützt werden sie dabei weiterhin nicht nur von EBI und MMM, sondern auch von den Projektpartnern Journalisten-Trainingscenter CAPJC und die Regulationsbehörde HAICA, die sich ebenfalls an den Diskussionsrunden in Dortmund und Paris beteiligt hatten. Geplant sind außerdem weitere Redaktionsbesuche und Hospitanzen in Tunesien, Frankreich und Marokko sowie regelmäßige Treffen aller Ombudsleute in Tunesien. Alle Beteiligten hoffen auf einen weiteren fruchtbaren Austausch zwischen Deutschland, Tunesien, Frankreich und Marokko.

Kontakt:

Nadia Leihs / Caroline Lindekamp

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