Foto: Caroline Lindekamp

18.01.2017

Dortmunder Journalistik-Studenten auf Exkursion in Myanmar

Studenten reisten nach Myanmar, um mehr über den Umbruch der Medienlandschaft zu lernen. Unterstützt wurden sie von burmesischen Journalistenschülern.

Es war wahrscheinlich eine der weitesten Exkursionen, die Journalistik-Studenten der TU Dortmund je unternommen haben: Nach gut 17 Stunden und mehr als 10.500 Kilometern hieß es für zehn Studenten „Mingalaba Myanmar“ beziehungsweise „Hallo (oder genauer: Möge Segen über dich kommen) Myanmar“. Das südostasiatische Land war Anfang November Ziel der Exkursion des „Media in Transition“-Seminars vom Institut für Journalistik. Unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Fengler, Dipl.-Journ. Caroline Lindekamp und Mariella Bastian M.A. und mit finanzieller Unterstützung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hatten die Studenten zehn Tage lang Zeit, mehr über den politischen Umbruch in Myanmar zu erfahren sowie eigene journalistische Geschichten zu recherchieren.

Nach der Ankunft in der Metropole Yangon galt es zunächst sich aus den warmen deutschen Herbstklamotten zu schälen und in ein den tropischen Temperaturen angemesseneres Outfit zu wechseln. Traditionell sind das in Myanmar sowohl für Frauen als auch für Männer buntgemusterte bodenlange Wickelröcke, sogenannte longyis. Die Kleiderordnung ist in dem buddhistischen Land allgemein konservativer als es das heiße Wetter ahnen lassen würde. Beine und Schultern sollten grundsätzlich bedeckt bleiben.

Die Kleidervorschriften blieben jedoch nur einer von vielen neuen Eindrücken für die Dortmunder Studenten. Im Straßenverkehr in Myanmar gilt: Auf der rechten Seite fahren, so wie in Deutschland auch. Das Lenkrad befindet sich in burmesischen Autos aber dennoch auf der rechten Seite, genau wie in britischen Autos - ein Überbleibsel aus der britischen Kolonialzeit. Wer eine Adresse in der Millionenstadt Yangon nicht auf Anhieb findet, sollte sich nicht schlecht fühlen, das passiert dort auch erfahrenen Taxifahrern. Straßennamen werden nämlich gerne doppelt und dreifach vergeben, manche Straßen haben gar mehrere verschiedene Namen. Da kapituliert selbst Google Maps.

Zum Glück bekamen die Dortmunder Studenten ortskundige Unterstützung durch burmesische Journalistenschüler vom „Myanmar Journalism Institute“. Die burmesischen Studenten halfen bei ganz praktischen Dingen, wie Wegbeschreibungen oder Übersetzungen. Vor allem aber boten sie einen authentischen Einblick in das junge Myanmar. Bei den gemeinsamen Recherchen zeigten sie ein ehrliches Interesse daran, den ausländischen Besuchern ihre Heimat näher zu bringen. Die Freude über den Besuch aus Deutschland schien groß, vor allem wenn als Maßstab die Anzahl der gemeinsamen Selfies gelten darf, die die Burmesen mit großer Begeisterung schossen.

Besonders interessant waren Gespräche mit den Studenten zur politischen Lage des Landes. In Myanmar gibt es erst seit gut einem Jahr eine demokratisch gewählte Regierung. Zuvor wurde das Land jahrzehntelang von Militär-Diktatoren beherrscht und weitgehend vom Rest der Welt abgekapselt. Erzählungen aus dem Alltag der Studenten zeichneten das Bild einer hoffnungsvollen Generation, die die neugewonnene politische Freiheit vor allem zum Wohl ihres Heimatlandes nutzen möchte. 

Weitere Einblicke in die politische und gesellschaftliche Situation Myanmars boten die anderen Programmpunkte der Exkursion. Dazu gehörten medienspezifische Termine wie Besuche beim neuetablierten Presserat und bei der ehemaligen Exilzeitung Mizzima sowie ein Gespräch mit einer deutschen Korrespondentin. Außerdem besuchten die Studenten die deutsche Außenhandelskammer, besichtigten eine Kleiderfabrik und sprachen mit dem Leiter des Auslandsbüros der Heinrich-Böll-Stiftung. Die Programmpunkte ergänzten das „Media in Transition“-Seminar, in dem sich die Studenten bereits im vergangenen Sommersemester inhaltlich auf die Exkursion vorbereitet hatten. 

Im Anschluss an das Programm verfolgten die Studenten eigene Recherchen und sprachen beispielsweise mit dem deutschstämmigen Trainer der burmesischen Fußballnationalmannschaft, fuhren in ein Opiumanbaugebiet oder besuchten verschiedene Start-Ups in Yangon. Die Beiträge erscheinen bald hoffentlich möglichst zahlreich in verschiedensten deutschen Medien und geben so einen Teil der Eindrücke aus Myanmar an die deutsche Öffentlichkeit weiter.

Nachtrag: Inzwischen sind einige Beiträge auf verschiedensten Online-Medien veröffentlicht worden. 

  • Ze.tt: Ich traf einen 18-jährigen buddhistischen Mönch ... (Kathrin Wesolowski) 
  • 11 Freunde: Myanmars deutscher Lehrer - »Lehrer der Furzknoten« (Julian Beyer)
  • Bento: André hat sich eine neue Existenz aufgebaut – in Myanmar (​Teresa Bechtold)

Text: Teresa Bechthold
Fotos: Caroline Lindekamp