Silvio Berlusconi: Staatschef und Medienzar
Auf Staatskosten eingeflogene Frauen, Affären mit Minderjährigen und dennoch Italiens Staatschef. In den deutschen Medien macht Silvio Berlusconi vor allem mit seinen vielen Skandalen auf sich aufmerksam. Angesichts der Schlagzeilen um den 72-jährigen Politiker fragten sich viele Zuhörer im Erich Brost Haus, warum Berlusconi schon drei Mal – wenn auch nicht in Folge – zum Premierminister gewählt wurde. Der italienische Journalist Marcello Foa erklärte dem Dortmunder Publikum in seinem Vortrag das Phänomen Berlusconi und sprach über die Rolle der Medien in Italien.

Berlusconi sorgt für Aufsehen
„He is a man of entertainment“, erklärt Foa bei seinem Vortrag im EBH. Hinter dem Journalist wirft der Beamer Bilder von Berlusconi an die Wand: Berlusconi mit Fellmütze in Russland, Berlusconi mit Cowboyhut in Texas, Berlusconi im Fußballstadion mit Trikot. Der Politiker weiß, wie er die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam macht.
Die Zuhörer in Dortmund lachen über die Bilder und die Anekdoten, die Foa erzählt: „Beim G20-Gipfel hat er sich hinter einer Säule versteckt, sprang plötzlich auf Angela Merkel zu und rief ‚Coucouc Frau Merkel’.“
Entertainer und Geschäftsmann

Ein Entertainer in der Tat, aber Berlusconi ist auch Geschäftsmann. Ihm gehören der Fußballverein „AC Mailand“, Bauunternehmen und zahlreiche Medienhäuser. Zu seinem Fernsehunternehmen Mediasat zählen drei große Sender. Er ist Mehrheitsaktionär bei zwei der wichtigsten Verlagshäuser Italiens, Mondadori und Einaudi, und bei mehreren kleinen wie Elemond oder Riccardo Riccardi editore. Auch Marcello Foa ist Redakteur bei einer Zeitung, die zum Medienimperium Berlusconis gehört.
„Trotzdem hatte ich nie Probleme mit ihm“, sagt Foa. Nur einmal habe Berlusconi auf einen Artikel Foas reagiert. Er hatte über die Konsequenzen der Währungsreform geschrieben und Berlusconi freute sich: „Danke, jetzt habe ich endlich verstanden, was es mit dem Euro auf sich hat.“
Selbstzensur der Journalisten
Ein viel größeres Problem als der direkte Einfluss der Medienunternehmer in Italien sei ohnehin die Selbstzensur der Journalisten. „Um in Italien als Journalist Karriere zu machen, reichen nicht die bloß Fähigkeiten. Man braucht ebenso Beziehungen zu Politik und Wirtschaft“, meint Foa. Denn neben Berlusconi machen sich auch andere Wirtschaftsgrößen und Politiker im Medienmarkt breit.
Helmut Kohl als Alternative

Stärkt Berlusconis starke Position am Medienmarkt seine Wahlerfolge? Nein, betont Foa. „Man kann sagen, dass er vor seinem ersten Wahlsieg, seine Sender zur Wahlwerbung nutzte“, lenkte der Journalist ein. Aber mittlerweile regelt ein Gesetzt genau, wie viel Wahlwerbung die einzelnen Parteien machen dürfen. Vielmehr fehle eine politische Alternative zu Berlusconi.
Foa fällt spontan ein deutscher Politiker ein, der Berlusconi die Stirn bieten könne: „Sie werden es nicht glauben. Aber die Italiener lieben Helmut Kohl.“