Mogelpackung im WWW?
Wie europäische Medien ihr Publikum online an redaktionellen Prozessen teilhaben lassen Ergebnisse einer international vergleichenden Studie
Die Studie des European Journalism Observatory untersucht für 12 west- und osteuropäische Länder, ob und wie Redaktionen ihre Leser, Hörer, Zuschauer und User an redaktionellen Prozessen teilhaben lassen. Werden Quellen offen gelegt und Fehler korrigiert? Gibt es einen Ombudsmann, der als Beschwerdeinstanz fungiert und systematisch Fehlern nachspürt? Gibt es Blogs, Twitter-Feeds und soziale Netzwerke, in denen Journalisten mit Nutzern über redaktionelle Entscheidungen diskutieren? Und: Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Ländern West- und Osteuropas – oder haben sich in den unterschiedlichen Journalismuskulturen auch ganz unterschiedliche Formen herausgebildet, die Nutzer in journalistische Prozesse einzubinden?
Das Ergebnis: In vielen Ländern Europas haben Redaktionen inzwischen Transparenz-Instrumente eingeführt. Jedoch überwiegen Instrumente, die schnell zu installieren und ohne großen Betreuungsaufwand zu pflegen sind – Kommentarfunktionen und Links zu sozialen Netzwerken werden inzwischen von fast allen untersuchten Medien angeboten, ebenso stellen sich die Redaktionsmitglieder mit Foto vor.
Instrumente, die den Redaktionen mehr Engagement und insbesondere einen echten Dialog mit dem Publikum abverlangen, sind jedoch Mangelware – nur selten leisten sich europäische Medien Ombudsleute, Leserbeiräte oder installieren gar einen „Button“, so dass Nutzer per Mausklick Fehler in journalistischen Texten markieren können. Fazit: Viele europäische Medien setzen installieren offenbar vor allem aus Marketing-Gründen Transparenz-Instrumente ein, die dem Publikum eher die Illusion von Teilhabe an journalistischen Prozessen geben denn tatsächlich Dialog ermöglichen.